t’Gasthuys AMSTERDAM

Montag, 4. September 2006

Endlich wieder in Amsterdam. Von Berlin aus macht man sich nicht eben mal kurz auf den Weg, so wie aus Köln. Dort stieg ich morgens in den Zug, trank eine Tasse Kaffee, las die Zeitung und wenig später traf ich bei meinem Autor Willem de Vries in der Utrechtse-
dwarsstraat ein. Willem ist Musikwissenschaftler. Sein Buch »SONDERSTAB MUSIK – Organisierte Plünderungen in Westeuropa von 1940-45« schlug in der deutschen Musikwissenschaft wie eine Bombe ein. Namen bekannter deutscher Musikwissenschaftler tauchen auf, die im Krieg selbst Hand anlegten und klauten wie die Raben, in Amsterdam, Paris und Brüssel. Im Nachruf eines dieser edlen Musikritter war später zu lesen, er sei ein Liebhaber von Musik-Autographen gewesen. So kann man es natürlich auch ausdrücken. Im t’gasthuys wird Johnny Cash gespielt, die alten, nicht die neuen Songs, und die jungen Gäste hier im Studentenviertel applaudieren als »Ring of Fire« ertönt, und sie singen gemeinsam den Refrain. Sehr tief: Ring of Fire. Gestern war ich mit Edgar Hilsenrath im Frosch-Café in Leipzig zu einer Lesung aus »Der Nazi & der Friseur«. Fünfzig zahlende Zuschauer. Die Mutter des Besitzers Bremke, die Edgar Hilsenrath als sportlich einschätzte und noch jung, war auf der Gästeliste, vermehrte unser Honorar deshalb nicht. Morgen lese ich mit Edgar Hilsenrath im Goethe-Institut in der Herengracht wieder aus Hilsenraths grotesken und sarkastischen Roman »Der Nazi & der Friseur«. Hoffe, dass die Besucher nicht alle so alt sind wie ich. Zwei Tage zuvor in Leipzig ist es gemischt. Als wir ankommen, müssen zuerst die kleinen Schreihälse vertrieben werden. Vielleicht durfte Edgar ihretwegen nicht rauchen. Ein Nicht-Raucher-Café! Müsste ich als Nichtraucher ja begrüßen. Ist mir aber meistens zu rigide. In zwei Tagen erscheint nun endlich der neue Roman von Edgar Hilsenrath »Berlin Endstation«. Aber für mich geht es dann schon wieder aus Berlin hinaus. Dieses Mal mit dem Auto ins Sauerland.

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