Halong Bucht – Kohlenstaub vor bizarrer Kulisse

19. DEZEMBER 2012 – Vietnam Impressionen (3)

Wir fahren zur Halong Bucht. Gewöhnen uns langsam an die Fahrweise der Vietnamesen. Nur nicht an die blauen Ling Long Busse, deren Fahrer unglaublich rücksichtslos agieren, sehr waghalsig links und rechts und auch auf der Fahrspur des Gegenverkehrs überholen. Aber auch das scheinen alle zu kennen und darauf eingestellt zu sein.
Die Luft wird immer stickiger. Kurz vor Halong überall Kohlenruß auf der Straße. Die meisten Bewohner arbeiten im Bergwerk. Die Steinkohle liegt hier nicht wie im Ruhrgebiet in der Tiefe, sondern wird, wie bei uns die Braunkohle, über Tage abgebaut. Ein großes Kraftwerk steht mitten im Ort. Die Luft ist voller Kohlenstaub und verursacht bei mir eine leicht
depressive Stimmung. Trotzdem freuen wir uns auf die Dschunkenfahrt in der Halong Bucht. Alles ist bis ins Kleinste hervorragend organisiert.

DSC_0228Die Tuffsteinberge liegen wie schon in Nin Binh in einem
leichten Dunst. Nach dem Essen erhalten wir Schwimmwesten und fahren mit einem Beiboot zur Sung Sot Grotte, einer Tropfsteinhöhle. Für die zehnminütige Fahrt werden wir verabschiedet, als gingen wir einem längeren großen Abenteuer entgegen. »Welcome back«, werden wir bei unserer Rückkehr herzlich von den netten Mädels an Bord begrüßt und erhalten ein nasses Tuch, als hätten wir in der Höhle Ausgrabungen vornehmen müssen.

DSC_0229Den Ausflug eine halbe Stunde später zu einem Aussichts-
punkt ersparen wir uns, legen uns mit einem Glas Wein auf das Oberdeck und genießen die bizarre Landschaft. Auch den Kochkurs danach schlappern wir, lassen uns aber zur Happy Hour ein paar Kostproben der Frühlingsrollen schmecken. Etwas später beginnt das Dinner.

DSC_0285Danach ein Filmangebot: »Der stille Amerikaner« nach einem Roman von Graham Greene. Der Film spielt in der Zeit von 1952 bis 1954, als die Amerikaner den Politiker Ngo Dinh Diem als Marionette in Saigon zum Präsidenten von Südvietnam installierten, garniert mit einer Liebesgeschichte zwischen einem schon älteren, der amerikanischen Vietnampolitik kritisch gegenüberstehenden Journalisten und seinem regimetreuen jungen Widersacher, der bei einem Attentat der südvietnamesischen Befreiungsorganisation ums Leben kommt. Die hübsche Vietnamesin möchte nur raus aus Saigon  und kehrt nach dem Tod ihres jungen Liebhabers zu dem stillen Amerikaner zurück. Bei unserem späteren Besuch in dem heutigen Ho Chi Minh City werden wir oben auf der Terrasse des Majestic Hotels mit Blick auf den Saigonfluss sitzen, auf der Graham Greene zu diesem Roman inspiriert worden sein soll. Außer uns schauen sich nur noch zwei Männer, einer vermutlich ein in Amerika lebender Vietnamese und ein älterer Mitreisender, den Film an.

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