Senefelder Straße – Westkurve

Donnerstag, 14. September 2006

Marco hat wie bei der WM die große Leinwand und Lautsprecher draußen angebracht. Das kleine HSV-Stadion ist in der Kneipe und auch draußen auf dem Fußweg schon gut besetzt, als ich eine halbe Stunde vor dem Anpfiff komme. Ich nehme mir einen Barhocker und setze mich an den Straßenrand. Ein lauer Sommerabend. Zwischen den Bäumen sehe ich Sterne. Es riecht nach Sieg im ersten Spiel der Hamburger in der  Champions-League. Ein furioser Auftakt des HSV. Lehmann im Arsenal Tor wird in Bedrängnis gebracht. Immer wieder Szenenapplaus aus der Westkurve – Senefelder Straße. Doch dann blankes Entsetzen. Ein Konter der Londoner, eine Schwalbe des Arsenal Stürmers und der HSV Torwart bekommt rot und muss vom Platz.
In der 35 Minute hält ein Mannschaftswagen der Polizei neben mir. Die Schiebetür geht auf. Erinnerungen kommen hoch. Ich schaue nach rechts und links. Eine Frittenbude ist nicht in der Nähe. Bin gespannt, was die wollen. Es passiert nichts. Ich konzentriere mich aufs Spiel. Nach zehn Minuten bittet ein Polizist um Ruhe. Man solle ihm zuhören. Ein Nachbar habe sich beschwert. Wenn wir das Spiel draußen zu Ende sehen wollten, müssten wir leise sein. Wer war dat? Wer hat sich beschwert? Anonym!
Der Polizist verschwindet im Mannschaftswagen. Die Tür bleibt weiter offen. Zehn Minuten können sie sich das Spiel mit ansehen. Der Ton ist leise gestellt. Die Westkurve verhält sich ruhig. Auch wegen des Spiels. Erst zum Schluss wird der HSV noch einmal vor Lehmanns Tor gefährlich. Das 2:1 wird kurz und intensiv bejubelt. Schlusspfiff.

Ich gehe um die Ecke in die Göhrenerstraße, schalte das Licht im Schaufenster des Verlages aus und lasse die Rollladen runter.

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