{"id":37,"date":"2013-08-10T20:11:17","date_gmt":"2013-08-10T20:11:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/?p=37"},"modified":"2013-08-24T13:12:48","modified_gmt":"2013-08-24T13:12:48","slug":"literatur-nobelpreis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/?p=37","title":{"rendered":"Literatur-Nobelpreis"},"content":{"rendered":"<h3>Samstag, 14. Oktober 2006<\/h3>\n<div>\n<div>Orhan Pamuk erh\u00e4lt den Nobelpreis f\u00fcr Literatur 2006.<\/div>\n<p>Im letzten Jahr w\u00e4hrend der Buchmesse wird ihm in der Paulskirche in Frankfurt der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Immer wenn Autoren, die mir wichtig sind, diesen Preis erhalten, bem\u00fche ich mich um eine Karte f\u00fcr die Preisverleihung. <a href=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Paulskirche-Frankfurt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-120 alignleft\" alt=\"Paulskirche Frankfurt\" src=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Paulskirche-Frankfurt-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Paulskirche-Frankfurt-199x300.jpg 199w, http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Paulskirche-Frankfurt-680x1024.jpg 680w, http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Paulskirche-Frankfurt-624x938.jpg 624w, http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Paulskirche-Frankfurt.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a>Als Verleger eines kleinen Verlages erh\u00e4lt man einen Stehplatz. So habe ich einen guten \u00dcberblick. Minister Sch\u00e4uble kommt<br \/>\nerheblich zu sp\u00e4t, wird an den Rand der ersten Reihe gerollt. Es braucht etwas, ehe er sich auf die Rede des Laudators konzentrieren kann. Erst einmal scannt er die vorderen Reihen ab, st\u00fctzt sich auf den Lehnen seines Rollstuhls ab, um besser sehen zu k\u00f6nnen, wer denn alles Wichtige anwesend ist.<\/p>\n<p>Alle erwarten in der Rede von Orhan Pamuk, dass er sich noch einmal eindeutig zum Genozid an den Armenier in der T\u00fcrkei 1915\/16 \u00e4u\u00dfert, den die offizielle T\u00fcrkei bis heute nicht anerkannt hat. Diejenigen, die dar\u00fcber reden und schreiben, werden vor Gericht gebracht. Pamuk hat den V\u00f6lkermord in einem Buch erw\u00e4hnt. Deshalb klagt man ihn in der T\u00fcrkei an. Das Urteil soll in den n\u00e4chsten Wochen gef\u00e4llt werden. Aber er h\u00e4lt sich diplomatisch zur\u00fcck, fordert stattdessen in Frankfurt vor Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in der ersten Reihe sitzt, die T\u00fcrkei in die Europ\u00e4ische Union aufzunehmen. Es ist ein leidenschaftliches Pl\u00e4doyer des europ\u00e4ischen T\u00fcrken Orhan<br \/>\nPamuk.<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/\u00d6zgen-Ergin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-124 alignright\" alt=\"\u00d6zgen Ergin\" src=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/\u00d6zgen-Ergin.jpg\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/a>Mein Freund \u00d6zgen Ergin lebt bis zum Fr\u00fchjahr dieses Jahres in K\u00f6ln. Er kommt 1973 als Gastarbeiter nach Deutschland, wechselt sp\u00e4ter aus der Fabrik in den Sozialdienst eines \u00f6kumenischen Tr\u00e4gers, ber\u00e4t dort die unterschiedlichsten Nationalit\u00e4ten und hilft ihnen zumeist bei ihren Problemen mit den deutschen Beh\u00f6rden. In jeder freien Minute schreibt er. 1987 erscheint sein erster Erz\u00e4hlband in Istanbul. Es folgen bald zwei weitere. Vor zwei Jahren erscheint sein erster Roman. \u00d6zgen Ergin schreibt seine B\u00fccher auf t\u00fcrkisch. Drei\u00dfig Jahre hat er Angst, seine Sprache zu verlieren. Oft f\u00e4hrt er in die T\u00fcrkei, liest auch in Deutschland t\u00fcrkische Zeitungen und sieht t\u00fcrkische Fernsehsender. Der Preis daf\u00fcr ist, dass, wer mit ihm spricht, vermutete, er sei erst kurze Zeit in Deutschland.<\/div>\n<p>Mit ihm zusammen organisiere ich von 1985-1986 im aterlier-theater in K\u00f6ln deutsch-t\u00fcrkische Autorenlesungen. Ein deutscher und ein t\u00fcrkischer Autor lesen und sprechen nach ihren Vortr\u00e4gen \u00fcber ihre Texte. Das Publikum kann sich beteiligen.<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter schreibe ich meinen ersten Roman \u00bb<a href=\"http:\/\/www.dittrich-verlag.de\/buecher\/operation-texel\/\">Operation Texel<\/a>\u00ab. Ein Schwerpunkt ist der heimliche Rassismus der Nachkriegsdeutschen. Auch der V\u00f6lkermord an den Armeniern wird in dem Buch thematisiert. \u00d6zgen redet nicht gegen den Standpunkt der Protagonistin in dem Roman. Er erz\u00e4hlt mir bei unseren vielen gemeinsamen Essen von seiner Familie in der T\u00fcrkei. Es kommen Armenier vor und Kurden. So sei es in vielen Familien. Ich h\u00f6re ihm immer sehr gerne zu. Irgendwann schmunzelt er vor sich hin. Prostet mir mit seinem Raki-Glas zu und beginnt eine Geschichte zu erz\u00e4hlen, eine neue Erz\u00e4hlung, an der er gerade schreibt. Mit viel Ironie und Humor erz\u00e4hlt er \u00fcber seine t\u00fcrkischen Landsleute in Deutschland, deckt liebevoll ihre Schw\u00e4chen auf und mit zwinkerndem Auge beschreibt er die Sichtweise der T\u00fcrken auf ihre deutschen Mitb\u00fcrger. 1992 bringe ich einen Sammelband mit seinen Erz\u00e4hlungen mit dem Titel \u00bb<a href=\"http:\/\/www.dittrich-verlag.de\/buecher\/charlie-kemal\/\">Charlie Kemal<\/a>\u00ab heraus.<br \/>\nJetzt ist \u00d6zgen Ergin zur\u00fcck in die T\u00fcrkei gegangen. Seine Frau hatte gro\u00dfes Heimweh und auch \u00d6zgen zieht es wieder in die W\u00e4rme. Ihre Kinder sind aus dem Haus und im Beruf. Ihre<br \/>\nerste Sprache ist deutsch. K\u00fcrzlich schreibt \u00d6zgen mir, mit den Menschen in seiner neuen Heimat T\u00fcrkei sei es noch ein bisschen problematisch. Er m\u00fcsse sich noch reintegrieren.<\/p>\n<p>Edgar Hilsenrath ist zur\u00fcck aus den USA. Er war drei Wochen bei seinem Bruder in Arkansas. Als wir gestern zusammen bei seinem Griechen um die Ecke essen, erz\u00e4hlt er mir, dass ihn gestern eine Freundin angerufen habe und fragte, warum nicht er den Literatur-Nobelpreis erhalte.<br \/>\nDie Frage sei berechtigt, sage ich, schlie\u00dflich habe er mit seinem Roman \u00bb<a href=\"http:\/\/www.magazin.dtv.de\/index.php\/buchtipp-der-woche\/2011\/02\/08\/moskauer-orgasmus\/\">Das M\u00e4rchen vom letzten Gedanken<\/a>\u00ab \u00fcber den V\u00f6lkermord an den Armeniern, f\u00fcr den er schon den Alfred D\u00f6blin Preis erhielt und in diesem Jahr den Armenischen Nationalpreis f\u00fcr Literatur, Welt-<br \/>\nliteratur geschrieben. Ebenso mit seinen Romanen \u00bbNacht\u00ab und \u00bbDer Nazi &amp; der Friseur\u00ab. So habe er f\u00fcr sein Gesamtwerk schon lange den Literatur-Nobelpreis verdient.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meines Lobes nippt Edgar Hilsenrath an seinem Espresso und steckt sich eine neue Zigarette an.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 14. Oktober 2006 Orhan Pamuk erh\u00e4lt den Nobelpreis f\u00fcr Literatur 2006. Im letzten Jahr w\u00e4hrend der Buchmesse wird ihm in der Paulskirche in Frankfurt der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Immer wenn Autoren, die mir wichtig sind, diesen Preis erhalten, bem\u00fche ich mich um eine Karte f\u00fcr die Preisverleihung. 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