{"id":30,"date":"2013-08-10T16:15:14","date_gmt":"2013-08-10T16:15:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/?p=30"},"modified":"2013-08-31T15:09:07","modified_gmt":"2013-08-31T15:09:07","slug":"georgische-melancholie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/?p=30","title":{"rendered":"Georgische Melancholie"},"content":{"rendered":"<h3>Sonntag, 24. September 2006<\/h3>\n<div>Vor einigen Tagen fand ich beim Aufr\u00e4umen eine Visitenkarte der Filmemacherin Ruth Olshan wieder. Ich lernte sie im Mai 2002 auf einer Reise zu den Festspielen des deutschen Films in<br \/>\nTiblissi in Georgien kennen. Dort wurden zwei Kurzfilme von ihr gezeigt, einer davon mit einem in Georgien sehr bekannten Filmschauspieler. Ich schrieb ihr eine eMail. Nur wenig sp\u00e4ter erhielt ich ihre Antwort. Sie sei in New York, k\u00e4me nur kurz nach Berlin und reise dann weiter nach Moskau. Sie lud mich ein, am 21. Oktober, 18 Uhr in die Hackischen H\u00f6fe zu kommen. Dort werde ihr Dokumentarfilm \u00bb<a href=\"http:\/\/www.georgien-shop.de\/?p=133\">Wie Luft zum Atmen<\/a>\u00ab \u00fcber Georgien gezeigt. Sie hat ihn im letzten Jahr gedreht. Er handelt von Chormusik und Tanz in Georgien, von der Folklore, die den Menschen in ihrer momentanen wirtschaftlichen Not und in ihrer absoluten Armut eine Hilfe und St\u00fctze sind. F\u00fcr uns in Deutschland kaum vorstellbar.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Ruth-Olshan-I.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33 alignleft\" alt=\"Ruth Olshan I\" src=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Ruth-Olshan-I-201x300.jpg\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Ruth-Olshan-I-201x300.jpg 201w, http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Ruth-Olshan-I.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a>Ich war 2002 kurzfristig zu den Filmfestspielen in Georgien zusammen mit Wolfgang Brod eingeladen worden. Unser Dokumentarfilm \u00bb<a href=\"http:\/\/georgien.blogspot.de\/2010\/05\/film-die-nacht-der-georgier.html\">Die Nacht der Georgier<\/a>\u00ab, in dem es um die Erinnerungen an ein vergessenes Massaker am Ende des zweiten Weltkrieges auf der niederl\u00e4ndischen Insel Texel geht, war kurz zuvor in Berlin und in K\u00f6ln uraufgef\u00fchrt und ein paar Tage sp\u00e4ter im Fernsehen ausgestrahlt worden. Es war meine dritte Reise nach Tiblissi.<br \/>\n1992 reiste ich das erste Mal nach Georgien, um Interviews f\u00fcr eine Radiosendung mit Georgiern zu machen, die das Massaker auf Texel \u00fcberlebt hatten. Gulja Artimidze, die Tochter eines georgischen Aufst\u00e4ndischen, hatte mich eingeladen, in ihrer Familie zu wohnen. Damals standen die Menschen die ganze Nacht vor den B\u00e4ckereien, um morgens ein Brot zu ergattern. Jugendliche liefen mit Gewehren und Pistolen auf der Stra\u00dfe herum und Benzin gab es nur gegen Dollar in Tankwagen am Stra\u00dfenrand.<br \/>\nBei meinem Besuch zwei Jahre sp\u00e4ter, gab es zwar Brot, aber fast niemand hatte Arbeit. Die<br \/>\nalten Leute standen t\u00e4glich vor den Rentenkassen, ohne Geld ausbezahlt zu bekommen. Ich fuhr mit Gulja als Dolmetscherin und ihrem Mann Dato durch dieses wundersch\u00f6ne Land am Rande des Kaukasus und f\u00fchrte viele Gespr\u00e4che f\u00fcr eine Sendung im DeutschlandRadio Berlin.<br \/>\nF\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wurde das H\u00f6rfunk-Feature \u00bb<a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlr\/sendungen\/landschaften\/153617\/?drucken\">Wir leben nicht, wir existieren<\/a>\u00ab ohne jegliche Aktualisierung ein zweites Mal ausgestrahlt. In Georgien hatte sich immer noch nichts ver\u00e4ndert.<br \/>\nW\u00e4hrend der Filmfestspiele 2002 besuchte ich zusammen mit Ruth Olshan auf Einladung eines georgischen Schauspielers die Filmhochschule in Tiblissi, die zur Zeit der Sowjetunion gro\u00dfe Filmemacher hervorgebracht hat. Bis heute fehlt es an einer modernen Grundausstattung, um neue Filme produzieren zu k\u00f6nnen. <a href=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Georgien-Landschaft-I.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-34 aligncenter\" alt=\"Georgien Landschaft I\" src=\"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Georgien-Landschaft-I.jpg\" width=\"300\" height=\"202\" \/><\/a>Aber der Stolz der georgischen Menschen auf ihre Jahrtausende w\u00e4hrende wechselvolle Geschichte, die sich in ihrer Musik, in ihren T\u00e4nzen und in ihren vielstimmigen Ges\u00e4ngen widerspiegelt, gibt ihnen auch in ihrer gr\u00f6\u00dften Not Hoffnung und Lebenskraft f\u00fcr die Zukunft.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag, 24. September 2006 Vor einigen Tagen fand ich beim Aufr\u00e4umen eine Visitenkarte der Filmemacherin Ruth Olshan wieder. 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