{"id":25,"date":"2013-08-10T15:21:14","date_gmt":"2013-08-10T15:21:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/?p=25"},"modified":"2013-08-24T13:11:18","modified_gmt":"2013-08-24T13:11:18","slug":"ihr-musst-meinen-retter-finden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.dittrich-verlag.de\/?p=25","title":{"rendered":"Ihr m\u00fcsst meinen Retter finden"},"content":{"rendered":"<h3>Freitag, 15. September 2006<\/h3>\n<div>\n<p>Margret und Werner M\u00fcller sind religi\u00f6se Menschen und haben lange Zeit relativ unauff\u00e4llig mit ihren beiden Kindern in K\u00f6ln gelebt. \u00dcber das <a href=\"http:\/\/www.maximilian-kolbe-werk.de\">Maximilian-Kolbe-Werk<\/a> lernen sie \u00dcberlebende des Holocaust in Polen und in der Ukraine kennen und schlie\u00dfen sich dem Kolbe\u00a0 Vers\u00f6hnungswerk an. Fahren immer wieder nach Polen und in die Ukraine, halten Briefkontakt mit den Menschen, denen sie dort begegnen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"margin: 15px; border: 2px solid black;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog2006.dittrich-verlag.de\/uploads\/Image\/PojtrIII.jpg\" width=\"300\" height=\"205\" align=\"left\" border=\"2\" hspace=\"15\" vspace=\"15\" \/><br \/>\nIn Warschau wird Margret M\u00fcller von Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch aus Kiew angesprochen. Am Ende des Gespr\u00e4chs sagt er zu ihr und ihrem Mann Werner: \u00bbIhr m\u00fcsst meinen Retter finden.\u00ab Es ist mehr als eine Bitte. Pjotr ist einer der sehr wenigen \u00dcberlebenden des Ghettos in Pinsk. Ein deutscher Offizier riskiert im Oktober 1942 sein Leben, um das des jungen Fernmeldetechnikers Pjotr zu retten. Nur sehr wenige glauben Pjotr seine Geschichte. Deshalb muss er seinen Retter finden.<br \/>\nVon seiner Mutter holt Pjotr sich damals die Erlaubnis f\u00fcr seine Rettung: \u00bbWenn du am Leben bleibst, musst du erz\u00e4hlen, was man mit uns gemacht hat.\u00ab 28.000 Juden werden erschossen und in Massengr\u00e4bern verscharrt.<br \/>\nNach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 wird Pjotr ohne jegliche Schutzma\u00dfnahmen mit anderen Fernmeldetechnikern aus Kiew nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Katastrophe_von_Tschernobyl\">Tschernobyl<\/a> geschickt, um dort die Fernmeldeanlagen wieder instand zu setzen. Seine Kollegen sind inzwischen alle gestorben. Auch Pjotr hat Krebs, aber er muss das Verm\u00e4chtnis seiner Mutter erf\u00fcllen und lebt bis heute.<br \/>\nWerner M\u00fcller sucht eine Stecknadel im Heuhaufen. Mit gro\u00dfem Geschick und viel Gl\u00fcck findet er die Familie des Retters G\u00fcnter Krull. Der ehemalige deutsche Offizier lebt nicht mehr, aber die Familie wei\u00df von der Rettung des jungen Juden von Pinsk.<br \/>\nWerner M\u00fcller l\u00e4sst sich von Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch dessen Geschichte erz\u00e4hlen und schreibt sie auf. Im Fr\u00fchjahr 2001 erscheint das Buch \u00bb<a href=\"http:\/\/www.dittrich-verlag.de\/buecher\/aus-dem-feuer-gerissen\/\">Aus dem Feuer gerissen<\/a>\u00ab. Werner M\u00fcller hat Pjotrs Geschichte \u00fcberpr\u00fcft und weist in einem Dokumentarteil am Ende des Buches nach, dass alle seine Aussagen der Wahrheit entsprechen.<\/p>\n<p>Als ich Pjotr das Buch bei seiner Ankunft in K\u00f6ln \u00fcberreiche, dr\u00fcckt er mir lange die Hand, schaut mir tief in die Augen, bedankt sich dann sehr bewegt und sagt: \u00bbDas ist der Grabstein meiner Familie.\u00ab<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"margin: 15px; border: 2px solid black;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog2006.dittrich-verlag.de\/uploads\/Image\/Pjotr%20in%20Kaserne.jpg\" width=\"300\" height=\"201\" align=\"right\" border=\"2\" hspace=\"15\" vspace=\"15\" \/><br \/>\nEs folgen beeindruckende Lesungen mit Pjotr, Margret und Werner M\u00fcller. Die erste im Lew-Kopelew-Forum in K\u00f6ln. Besonders beeindruckend ist die Lesung in der Olbricht Kaserne in Leipzig vor deutschen Offizieren und Soldaten der Bundeswehr. Der Polizeipr\u00e4sident von Leipzig kommt in gr\u00fcner Uniformjacke, \u00e4hnelt eher einem Dorfpolizisten von fr\u00fcher. Der General der Kaserne, gerade neu im Amt, h\u00e4lt die Einf\u00fchrung. Werner M\u00fcller spricht von der Zivilcourage des Offiziers. Ein Gespr\u00e4ch danach gibt es nicht. Die Soldaten sind schnell verschwunden. B\u00fccher werden nicht gekauft.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, 15. September 2006 Margret und Werner M\u00fcller sind religi\u00f6se Menschen und haben lange Zeit relativ unauff\u00e4llig mit ihren beiden Kindern in K\u00f6ln gelebt. \u00dcber das Maximilian-Kolbe-Werk lernen sie \u00dcberlebende des Holocaust in Polen und in der Ukraine kennen und schlie\u00dfen sich dem Kolbe\u00a0 Vers\u00f6hnungswerk an. 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